//Von der Idee zum „privaten“ Naturschutzprojekt

Von der Idee zum „privaten“ Naturschutzprojekt

2018-07-05T16:50:22+00:00 24.07.2017|Tags: |

Leben – wohnen – arbeiten im Sheridanpark. Seit 2007 haben wir, deka messebau, unseren Unternehmenssitz im Sheridanpark in Augsburg. Fast monatlich sind hier in den letzten Jahren neue Gebäude entstanden – moderne Architektur, mit viel Liebe zum Detail und Ideen um Wohnen und Arbeiten in nahezu idealer Weise zu verbinden. Durchgängige Spazierwege und Grünstreifen schwingen sich durch das Gelände und verbinden die Bereiche. Nahezu ideal, das Umfeld.

Und trotzdem fehlt hier mittlerweile etwas! Als eines der ersten Firmengebäude, das im Sheridanpark gebaut wurde, hatten wir in den ersten Jahren fast täglich „tierischen“ Besuch: Rehe vor dem Werkstattfenster, Feldhasen, die sich im hohen Gras und Gelände tummelten, Schwärme unterschiedlichster Vögel.

Durch die schrittweise Veränderung nimmt man nicht wahr, dass auch Lebensraum genommen wird.
Dann die Veränderung: Gebäude für Gebäude wurde errichtet, Brachfläche für Brachfläche in Gärten und Grünanlagen umgewandelt. Die Tiere wurden mehr und mehr verdrängt. Schönes wandelt sich in – auf andere Art – Schönes. Durch die schrittweise Veränderung nimmt man jedoch gar nicht wahr, dass auch Lebensraum genommen wird.

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017 Distelfink

Distelfink: Oliver Wittig, LBV-Archiv*

Auslöser für unser Naturschutz-Projekt waren 3 Distelfinken,
die wir 2016 auf einer der letzten Brachflächen im Sheridanpark gesichtet haben. Als Samenfresser sind Distelfinken darauf angewiesen, dass Blüten verblühen dürfen und Samen bilden. Aber wo in unserer Kulturlandschaft ist das noch der Fall? Das „Aus“ für den Distelfinken, sobald die letzten Brachflächen im Sheridanpark verbaut und angelegt sind?

Die Idee war geboren: Wie schaffen – auf unserem eigenen Gelände – einen Ausgleich.
Und sei er noch so klein. Wichtig war uns: Er muss Lebensraum und Nahrung für Kleintiere und Vögel bieten. Die Regel: je magerer der Boden, desto artenreicher, vielfältiger der Bewuchs. Und wo viel Nahrung ist, können sich auch unterschiedliche Insekten, Vögel und Kleintiere halten. So viel wussten wir.

Als Fachleute für Individualbau-Messestände war uns dann ziemlich schnell klar: Unser ambitioniertes Halbwissen über extensive Flächen und Magerrasen-Standorte reicht niemals aus, um unser Ziel „einen funktionierenden Futtertrog“ für den Distelfinken zu bauen.

Wertvolle Inputs von Fachleuten: Landesamt für Umwelt / Amt für Grünordnung.
Auch hier zeigt sich Augsburg wieder als absoluter Standortvorteil! Denn ein Netzwerk an Fachleuten und Institutionen geht mit Vorbild voran und steht Naturschutz-Laien wie uns zur Seite:
Ein Anruf beim Landesamt für Umwelt (LfU) hat genügt, und schon waren wir einen großen Schritt weiter. Das LfU-Gelände dient als Projektfläche und zeigt beispielhaft Magerrasen-Standorte in unterschiedlichsten Stadien der Entwicklung.

Bei einer Begehung mit Herrn Rudolph aus dem Referat Arten- und Lebensraumschutz, Staatliche Vogelschutzwarte, konnten wir wertvolle Anregungen und Ideen mitnehmen. Wertvoll war auch der Hinweis von Herrn Rudolph, dass das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen in Augsburg für die extensiven Flächen im Sheridanpark zuständig ist, und hier einige Flächen in dieser Form bewirtschaftet wird.

Die Freigabe durch die Amtsleiterin im Stadtplanungsamt für unser Projekt war schnell erteilt
und unter Einhaltung der Auflagen des Grünplans Sheridanpark konnte unser Projekt Form annehmen. Gerne sind wir der Einladung des Amts für Grünordnung gefolgt. Wir durften Herrn Baur, aus dem Bereich Grünplanung und Bauausführung, auf einer Fahrt zu den Ausgleichsstandorten im Industriegebiet Lechhausen begleiten und von seinem Fachwissen profitieren. Nach dieser Tour war das Projekt gesetzt, wir hatten die Meilensteine klar vor Augen:
–          Oberboden abziehen
–          Muschelkalk für eine Trockenmauer besorgen
–          Trockenmauer mit integrierten Kleintierhöhlen bauen
–          Kies- und Schotterflächen schaffen
–          Totholz für besondere Tiergesellschaften ausbringen
–          einzelne, Früchte tragende Sträucher und Bäume pflanzen
–          idealerweise Mähgut aus der Region als Samen- und Insekteneier-Träger ausbringen

Und dann: benötigen Sie Geduld, so Herr Rudolph und auch Herr Baur. Denn Pflanzengesellschaften auf Magerstandorten brauchen Zeit für ihre Entwicklung. Das kann schon mal 3 – 4 Jahre dauern, bis sich seltenere aber wertvolle Arten entwickeln.

Als Messebauer in Geduld üben? Ein Wiederspruch in sich…
Denn kaum eine Branche ist stärker von Terminen getaktet als der Messebau. Wir werden sehen, wie wir die Geduld aufbringen.

Aber auch die Frage „Was sagen da die Nachbarn“, wenn es auf unserer Freifläche in den ersten Jahren nur spärlich grünt? Wie schaffen wir Verständnis – oder idealerweise sogar Nachahmer?
Die erste Idee: ein Informations-Schild auf dem Gelände aufstellen und regelmäßig darüber reden, was sich auf unserer Freifläche tut. Das sollte doch das Verständnis unterstützen.

Unser Projekt „ Extensive Flächen – Lebensraum für regionale Pflanzen und Tiere“ nimmt Formen an!

Heute, nach ca. 5 Arbeits- bzw. Umgestaltungs-Tagen, nimmt unser Projekt Gestalt an: Unterstützt von Herrn Sirch und Herrn Süßmair – Landwirte mit Ausbildung zum Fachwirt für Naturschutz und Landschaftspflege und langjähriger praktischer Erfahrung in Naturschutzthemen – sind die ersten Meilensteine geschafft!

Dass wir parallel eine neue Lagerhalle bauen, und auf diesem Weg einen Ausgleich zur dann bebauten Fläche schaffen, hat sich eher unabhängig ergeben. Aber beide Projekte passen gut zusammen!

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017 - Abziehen Oberboden

Abziehen des Oberbodens…

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017 - Abziehen Oberboden

Das Ziel: freilegen der Lechschotter, als ideale Basis für extensive Flächen und artenreiche Magerrasen-Standorte.

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017 Trockenmauer

Unsere Kalksteine für die Trockenmauer werden geliefert…

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017 Trockenmauer

Unsere Baustelle nimmt Fahrt auf…

Unsere Fachleute Herr Sirch und Herr Süßmair – Fachwirte für Naturschutz und Landschaftspflege.

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017 Trockenmauer

Herr Sirch beim Setzen der Trockenmauer

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017

Kleintierhöhlen – in die Mauer integriert.

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017

Trockenmauer – mit Durchgang zum Wall, auf dem später ein Blumensaum entstehen wird.

Der Wall befindet sich bereits auf städtischem Gelände und wird vom Amt für Grünordnung angesäht. Wir sind begeistert, dass die Stadt Augsburg, die Verantwortlichen für den Sheridanpark auf den Anschlussflächen einen harmonischen Übergang schaffen werden!

Aus unserer Sicht hat sich die Umgestaltung jetzt bereits gelohnt:

Stand: 24.07.2017

deka Messebau anlage extensive flaechen 2017

Blick aus unserem Bistro: Schotterflächen auf zwei Ebenen – mit unterschiedlicher Bodenqualität für unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Im Herbst, zur Pflanzzeit, werden einzelne Frucht tragende Sträucher und Bäume folgen.

deka messebau Anlage extensive Flächen 2017

Aus unserer Sicht hat sich die Umgestaltung jetzt bereits gelohnt: der kulissenhafte Aufbau hat die klare Grünfläche abgelöst. Die Kiesberge im Hintergrund werden kommende Woche eingeebnet. Und im August wird dann das Mähgut ausgebracht…

Ein Highlight: Der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. stellt für unser Projekt Saatgut aus der Königsbrunner Heide und anderen Lechheiden zur Verfügung. Der Verband kümmert sich seit über 20 Jahren um den Erhalt dieses Lebensraums, der für unsere Region so typisch ist und der zu den artenreichsten und wertvollsten in ganz Bayern gehört! Zusammen mit Landwirten erfolgt die Pflege der Flächen und auch die behutsame Ernte der Samen.

Übrigens: Je mehr extensive Standorte wir gesehen haben, desto kleiner kamen uns unsere Flächen vor. Kaum wert umgestaltet zu werden? Diese Sorge haben uns alle Fachleute genommen: Jede auch noch so kleine Fläche ist ein wertvoller Schritt zurück zur Vielfalt. Insbesondere in unseren Städten und Industriestandorten.

Stand: 24.07.2017

Sie interessieren sich dafür, wie sich unsere extensive Fläche weiter entwickelt?
Wir halten Sie gerne auf dem Laufenden!

Infos finden Sie in Zukunft
– entweder hier auf unserer Website,
– oder auf unserer Facebook-Seite: @dekamessebaugmbh
Bei Fragen können Sie sich gerne auch über unsere Mailadresse info@deka-messebau.de an uns wenden!

Fotos/weiterführende Infos:
Foto Distelfink: Oliver Wittig, LBV-Archiv. Herzlichen Dank auch an dieser Stelle an Herrn Wittig und den LBV für die Bereitstellung des Fotos!
*Informationen zum Stieglitz – der vom LBV 2016 zum Vogel des Jahres gekürt wurde – finden Sie unter: httpss://www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/vogel-des-jahres/stieglitz-2016.html
LBV = Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.

Alle übrigen Fotos: deka messebau gmbh, Augsburg.